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Bewerbungstraining – immer das Selbe?

3. Februar 2011

Jeder, der schon mal länger arbeitslos oder erwerbslos war, kennt es: das Bewerbungstraining. Am Anfang  macht man vielleicht einen oder zwei Psychotests zum Ankreuzen, ein “Dozent” stellt sich ans Whiteboard und teilt Handouts aus, auf denen steht, dass man darauf achten muss, dass die Bewerbungsunterlagen keine Eselsohren enthalten sollten und dass der moderne Personalleiter Lebensläufe lieber “amerikanisch” liest, also mit dem neuesten Ereignis an erster Stelle. Wenig später beginnt dann der Alltag: Man sitzt vor dem Computer mit Internetanschluss und hat die Aufgabe sich Stellenanzeigen herauszusuchen und sich zu bewerben, tagelang, wochenlang. Immer das Selbe!

Langweilige Routineaufgabe, die ohnehin nichts bringt?

Die Stellenanzeigen sind eigentlich auch immer gleich: ” jung”, “flexibel” und “sehr arbeitswillig”, “erfahren” und “zuverlässig” stehen als Eigenschaften hoch im Kurs. Eigenschaften, die man entweder nicht hat oder auch gar nicht besitzen will. So ein Training kommt einem schnell vor wie eine Pflichtaufgabe, die einen keinen Schritt weiter bringt und in der man nichts erfährt außer dem, was man ohnehin schon weiss.

Die andere Perspektive: Sein Leben immer wieder neu erfinden!

Vision - die eigene Geschichte neu entwerfen

Manche Aufgaben werden eigentlich nie langweilig: Zum Beispiel die, sein Leben immer wieder neu zu erzählen und die Reaktionen der Anderen zu beobachten: Ercan Ercen* hat sein Leben immer so beschrieben: “Irgendwann war es dann zu spät: Dann war ich zwei Jahre arbeitslos, dann drei, dann vier. Dann habe ich wieder angefangen mich zu bewerben, doch jetzt will mich keiner mehr. Ich bin jetzt seit 11 Jahren ohne Arbeit, ich bekomme nur Absagen.” Später erzählt er es so: “Als ich dann die gute Abfindung bekam, bin ich erstmal in den Urlaub gefahren. Dann habe ich für mehrere Jahre einem Freund mit seinem Laden geholfen. Ich war quasi sein Geschäftsführer. Dann ist mein Sohn krank geworden und ich habe mich um ihn gekümmert, meine Frau ist in ihrem alten Job geblieben; ich wollte nicht, dass sie ihn aufgibt. Jetzt geht es meinem Sohn wieder besser, und ich möchte wieder auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten. Ich bin sehr gut im Umgang mit Kunden, früh aufzustehen macht mir nichts aus. Ich arbeite nicht für jeden Preis, bin aber bereit, für den Anfang den Lohn etwas niedriger anzusetzen. Der Arbeitgeber muss ja erstmal Vertrauen zu mir aufbauen.”

Die Grundlage für eine gute Geschichte liefert unser eigenes Leben

Es kann Freude machen, solche Geschichten zu entwickeln, gemeinsam zu schauen, welches Material für gute Geschichten unser Leben uns liefert. Was können wir richtig gut? Wann waren wir einmal besonders stolz? Wofür haben uns Menschen gelobt? In welchen Momenten sind wir einmal über uns selber hinausgewachsen? Wie wollen wir in zwei Jahren leben? Welche Elemente dieses Lebens können wir schon morgen ins Leben holen?

Arbeitgeber sind auch nur Menschen

Arbeitgeber wollen gute Geschichten hören, von motivierten, hart arbeitenden Menschen, die kämpfen, die etwas erreichen wollen. Wer kann es ihnen verdenken? Sicherlich es gibt Barmherzigkeit, eine soziale Ader, und es ist gut und richtig, dass es Menschen gibt, die nicht müde werden, diese zu entwickeln. Aber es ist wichtig, auch die Welt zu sehen, wie sie ist und nicht nur, wie sie sein sollte. Die meisten Menschen wollen gute Geschichten hören. Liefern wie sie ihnen! Es kann großen Spaß machen, sie zu entwerfen. Alleine oder vielleicht noch besser: mit den anderen Teilnehmern des Trainings als Team!

Bewerbungstraining – dem Leben immer wieder neue Formen geben!

Für mich ist das Bewerben ein kreativer Akt. Er beginnt mit dem Neuentwickeln der eigenen Geschichte, dem Forschen nach Kompetenzen und Interessen, dem Nachdenken darüber, wie diese Geschichte weitergehen soll, dem Entwerfen einer Vision für das zukünftige Leben und endet schließlich mit dem Entwickeln und Umsetzen einer Strategie, wie wir andere in die Verwirklichung dieser Visionen einbinden können – alles auf Basis von Freiwilligkeit und wohlwollend, sich selbst und anderen gegenüber. So kann Bewerbungstraining auch sein! Das Prinzip bleibt immer gleich, die Erfahrungen und Ergebnisse sind immer wieder anders. Wenn Bewerbungstraining so abläuft, nehme ich gerne an einem teil – immer wieder!

*Name vom Autor geändert

2 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. 4. Februar 2011 01:42

    Super Blog, ich komme nun oefter

  2. 4. Februar 2011 21:47

    Toll, das ist endlich mal ein guter Artikel, vielen Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich die Seite leicht zu verstehen und bequem zu lesen.

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